Selbstmarketing für Angestellte - ein oft vernachlässigter Erfolgsfaktor

Carsten Bach erläutert im Interview, warum Selbstmarketing sinnvoll und notwendig ist.
Im Interview: Carsten Bach

Die Rahmenbedingungen innerhalb der Unternehmen verändern sich. Die interdisziplinäre Zusammenarbeit, z. B. bei Projekten, nimmt zu. Mehrfachverantwortlichkeiten und Mehrfachzuständigkeiten werden zur Regel statt zur Ausnahme. Mit diesem Wandel der innerbetrieblichen Zusammenarbeit werden die größere Sichtbarkeit und Bekanntheit sowie das Image des einzelnen Mitarbeiters für das eigene Fortkommen immer wichtiger.

 

Aktives Selbstmarketing kann hier positive Impulse setzen. Allerdings wird seine Bedeutung auch für Angestellte im Unternehmen häufig unterschätzt, sagt WP StB Carsten Bach. Im Interview zeigt er wichtige Komponenten für diesen oft vernachlässigten Erfolgsfaktor, der nichts mit Angeberei oder Profilneurose zu tun hat.

Herr Bach, warum ist Selbstmarketing auch für Angestellte im Unternehmen sinnvoll?

Auch Angestellte im Unternehmen haben Kunden. Interne Kunden, wie z. B. den eigenen Vorgesetzten sowie andere Personen, die für die berufliche Entwicklung relevant sind und die daher ähnlich wie externe Kunden „gepflegt“ werden müssen. Viele Angestellte gehen allerdings nach wie vor davon aus, dass diese Personen von sich aus vollständig sehen und wissen, was man leistet und somit das Erbringen guter fachlicher Leistungen für das Erreichen der eigenen beruflichen Ziele und für die Kundenpflege völlig ausreichend ist. Doch dies ist leider in den meisten Fällen ein Trugschluss. Berufliche Anerkennung ist heute zu großen Teilen eine Holschuld des Mitarbeiters. Nur wer sichtbar ist, wird wahrgenommen. Das „Gesamtpaket“ rückt zunehmend in den Fokus. So gesehen ist auch ein Angestellter Unternehmer in eigener Sache und braucht Selbstmarketing. Es geht u.a. darum, interne Chancen zu erkennen und zu ergreifen, die interne Kundenwahrnehmung der eigenen Leistung und Person zu verbessern und die Kundenzufriedenheit zu erhöhen, um sich somit auf dem internen Markt über die Fachlichkeit hinaus besser zu positionieren. Denn jeder Angestellte wirkt auf seine Kunden nicht nur durch sein Produkt (seine Arbeitsleistung) sondern vor allem auch durch sein Verhalten und Auftreten, seine Kommunikation sowie seine Nutzenorientierung für den Kunden. Und zwar immer und überall.

Welche Komponenten sind für ein solches Selbstmarketing relevant?

Die Erfahrung zeigt, dass drei Komponenten maßgeblichen Einfluss auf das konstruktive und charmante Selbstmarketing im hier verstandenen Sinne haben. Erstens das Wissen um die eigene Persönlichkeit.  Ausgangspunkt bildet die Selbstanalyse mit der bewussten Auseinandersetzung mit den eigenen Stärken und Schwächen, möglichen Alleinstellungsmerkmalen sowie den persönlichen Zielen. Zweitens unternehmerisches Denken und Handeln. Hier bedarf es Kompetenzen im Bereich des Beziehungsmanagements, der Kundenorientierung sowie des Denkens in internen Kundenbeziehungen. Erfolgreiches Selbstmarketing ist auch die Orientierung am Wohl und Nutzen des Kunden. Und drittens: der positive emotionale Gesamteindruck. Hierfür ist relevant zu wissen, wie man auf andere wirkt und welche Faktoren eine positive Wirkung und Wahrnehmung verstärken können und welche gerade nicht.

Warum ist auch ein positiver emotionaler Gesamteindruck so wichtig?

Kunden „kaufen“ bekanntermaßen (auch) Emotionen. Das positive Image, verbunden mit einer hohen eigenen Bekanntheit im Unternehmen, ist ein wichtiger Faktor für die persönliche Entwicklung. Hier hat ein Angestellter viel mehr selbst in der Hand als die meisten denken. Kommunikative Qualitäten einschließlich der Körpersprache sowie das Verhalten gegenüber anderen beeinflussen permanent das Bild, welches andere von uns formen. Wer nicht nur fachlich, sondern auch in dieser Hinsicht positiv „besetzt“ und authentisch ist, steigert erfahrungsgemäß seine Chancen. Dies gilt gleichermaßen für wertschätzendes Handeln. Wertschätzendes Führen ist beispielsweise eine bedeutende Selbstmarketingkompetenz für Führungskräfte.

Was können Fachkräfte für sich tun?

Ein wichtiger erster Schritt ist die Öffnung für das Thema. Gerade weil der Begriff Selbstmarketing oft negativ besetzt ist und mit unsympathischer Angeberei oder Profilierung auf Kosten anderer gleichgesetzt wird, mit der man nichts zu tun haben möchte. Aber im hier verstandenen Sinne des Selbstmarketings ist dies ja gerade nicht der Fall. Im Gegenteil. Je höher in der Hierarchie, umso wichtiger ist das eigene Selbstmarketing. Training und Coaching können für das Thema weiter sensibilisieren, Kompetenzen vermitteln und geeignete Entwicklungswege aufzeigen.

Was hat das Unternehmen von Mitarbeitern, die positives Selbstmarketing beherrschen?

Mitarbeiter, die charmantes und konstruktives Selbstmarketing intern beherrschen und unternehmerisch denken, sind auch in der Lage, das Unternehmen extern adäquat zu vertreten. Jeder Mitarbeiter ist ein Botschafter des Unternehmens, nicht nur im beruflichen Kontext sondern auch privat. Je besser seine eigenen Selbstmarketingfähigkeiten im hier verstandenen Sinne sind, umso größer ist das Potential für eine positive Darstellung des Unternehmens nach außen und für eine höhere Kundenorientierung. Außerdem gehen solche Mitarbeiter reflektierter mit den eigenen Fähigkeiten, Stärken und Schwächen um. Dies erleichtert in gewissem Grad die Personalentwicklung. Kompetenzen der Mitarbeiter in diesem Bereich sind daher auch für das Unternehmen vorteilhaft.

 


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