Die Evolution eines Leichtbau-Laufrades

Teil 2: Laufrad wächst zum Fahr- Rad mit bester Ausstattung

Prof. Dr.-Ing. Mark Siebert
Prof. Dr.-Ing. Mark Siebert mit dem Spin Foxy

Im zweiten Teil unserer Reihe "Evolution eines Laufrades aus Carbon" folgt hier die nächste Stufe: Prof. Dr.-Ing. Siebert baut das Laufrad seines Sohnes zu einem veritablen Kinderrad aus Vollcarbon aus. Ein Unikat unter 6 kg.


Im ersten Teil berichteten wir über das von Prof. Dr.-Ing. Marc Siebert von Grund auf neu konstruierte und selbst gebaute Carbon-Laufrad SPIN Foxy, das  seinen kleinen Sohn Jasper auf ein neues Level in Sachen Mobilität brachte. Und weil es absehbar war, dass die Entwicklung seines Kindes voranschreitet, mussten weitere Modifikationen am Laufrad konstruktiv umgesetzt werden. Die Ausgangslage war günstig, hatte Prof. Siebert doch schon von Anfang an diese kommenden Veränderungen im Blick.

 


Artikelserie

Unsere Artikelserie zeigt die Evolutionsstufen, wie ein einfaches, aber ultraleichtes Laufrad zu einem vollausgestatteten Mountainbike heranwächst.


Teil 2: Vom Lauf- zum Kinderfahrrad unter 6 kg

Mit jedem Schritt, den der kleine Mann auf seinem ultraleichten Laufrad unternahm, wurde er immer sicherer und auch mutiger. So hatte Siebert vorausgesehen, dass der nächste Schritt vom Lauf- zum Fahrrad die logische Konsequenz sein würde: Er verbaute daher schon am Laufrad vorausschauend eine Kurbel aus Carbon, an die er bei Spaziergängen einfach die mitgeführten Pedalen anstecken und so jederzeit spontan erste Fahrübungen mit seinem Sohn machen konnte.

 

Rahmen, Kurbel und Sattel aus Carbon

Beim Wechsel von Lauf- auf Fahrrad muss natürlich die Sitzhöhe angepasst werden, damit der optimale Abstand für die Kinderbeine von Sattel zu  Pedal den Fahrspaß ergonomisch unterstützt. Als hilfreich erwies sich dabei der verbaute Schnellspanner, mit dem der Carbonsattel unkompliziert in der Höhe verstellt werden konnte.

Sattel aus Carbon im Handlaminierverfahren gefertigt. Sattelstütze aus Carbonrohr. Foto: mtec-akademie

Darüber hinaus musste jetzt auch für Vortrieb über die Pedalen gesorgt werden, was vorher die Beine direkt erledigten. Um das Kind in der Anfangsphase motorisch nicht zu überfordern hatte Siebert zunächst nur ein Ritzel an der Hinterradnabe montiert und eine kindgerechte Übersetzung gewählt. Die Spannung der Kette kann bei einem „festen Gang“ prinzipiell sehr einfach über ein Langloch im Ausfallende realisiert werden. Da langfristig jedoch eine (Ketten-)Schaltung als Option zur Verfügung stehen sollte, wurde auch für die „Single-Speed-Ausführung“ ein kompatibles Ausfallende mit separatem Kettenspanner für Kettenschaltungen gewählt. 

Vom Laufrad ohne Bremsen zur nächsten Entwicklungsstufe

War bei dem Laufrad keine Bremsanlage nötig, da die Beine für Antrieb und Verzögerung sorgten, musste jetzt natürlich eine Bremsanlage her – zumal die Geschwindigkeit auf dem Rad mit zunehmendeKurbel am Kinderrad aus Carbonr Fahrpraxis auch stetig anstieg.

Im Hinblick auf die Art der Bremse hatte sich Siebert auch schon zu Beginn der Konstruktion Gedanken gemacht. Eine Bremse mit Rücktritt sollte aufgrund der vergleichsweisen schlechten Verzögerungsleistung nicht verbaut werden. Die Wahl fiel auf eine extrem leichtgängige und für kleine Kinderhände geeignete Felgenbremse.

Zunächst verbaute Siebert auch nur die Hinterradbremse. So sollte Sohnemann erst einmal das richtige und vor allem sichere Bremsen üben. Auf eine Vorderradbremse verzichtete Siebert zu diesem Zeitpunkt noch, da die sichere Bedienung grundsätzlich mehr Erfahrung beim Bremsvorgang erfordert.

 

 

Zusammenfassung: Unikat – Das Kinderrad aus Vollcarbon mit recycelten Bauteilen

Dieses Kinderrad wurde zum Unikat mit besonderen Spezifikationen und hochwertigsten Komponenten. Sämtliche verbauten Teile waren Auschuss aus der Serienproduktion der einzelnen Hersteller, für die diese keine Verwendung mehr hatten. Der Clou: Siebert kürzte die eigentlich zu großen Bauteile auf die notwendigen (kleineren und kindgerechten) Maße. Im Bild rechts zeigt Siebert um welche Länge er die Gabel eines Erwachsenenrades gekürzt hat, um die 16"-Bereifung am Vorderrad verbauen zu können. Carbon-Recycling in sinnvollster Art und Weise. 

 

 

Hier die Ausstattung und Übersicht der verbauten Teile:

  • Rahmen aus Carbon, individuell auf Maß gefertigt
  • Sattel aus Carbon, auf Kindermaße angepasst und im Nasslaminierverfahren handgefertigt
  • Sattelstütze aus Carbon, in Prepreg-Bauweise handgefertigt
  • Carbon Gabel, für 16“ Laufradgröße umgebaut von THM-Carbones
  • Carbon Kurbel, für Kinderbeine von 175mm auf 115mm gekürzt
  • Lenker aus Carbon von Schmolke Carbon mit Schadstoff freien Griffen mit Prallschutz

Lesen Sie im nächsten Teil

Kinderrad erreicht letzte Ausbaustufe: Das High-End Kinder-Mountainbike aus Vollcarbon.

 


Autor: Leif Wegner



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