Wie implementiere ich Industrie 4.0 im Unternehmen?

5-Stufen zur Umsetzung von Digitalisierungsprozessen in kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMU)

Die Digitalisierung, durch den einhergehenden demographischen Wandel getrieben, diesen aber auch begünstigend, birgt viele Chancen aber auch einige ernst zu nehmende Risiken. Es ist daher wichtig, sich intensiv auch mit den Hintergründen der auf uns zu kommenden Entwicklungen auseinander zu setzen. Entscheidend ist, die sich ergebenden Anforderungen auf die individuellen Unternehmen zu erkennen, aber auch die Treiber, die zu diesen Anforderungen führen zu verstehen.

 

Digitalisierung ist aber noch kein digitaler Wandel und die zur Verfügung stehenden neuen Industrie 4.0-Technologien noch keine Antwort auf die Anforderungen bezüglich größerer Geschwindigkeit, individuellerer Fertigung, höherer Ressourceneffizienz und Steigerung der Produktivität in der industriellen Produktion.

Erst durch die erfolgreiche Umsetzung, zugeschnitten auf das jeweilige einzelne Unternehmen, lassen sich die Chancen optimal nutzen. Ebenso wichtig ist es allerdings, die Risiken zu beherrschen. Neue Technologien geben uns zunehmend nie gekannte Möglichkeiten. Zum einen muss erkannt werden, welche dieser Technologien unternehmensspezifisch wirklich zielführend sind. Zum anderen ist es wichtig, das notwendige Umfeld zum Beispiel in Form von Regeln, Gesetzen, aber auch Unternehmensphilosophien zu schaffen.

CC-5-Stufenmodell zur Implementierung von Industrie 4.0

1. Erfassung zukünftiger demografischer und technologischer Entwicklungen

Bereits seit einigen Jahren ändert die Digitalisierung unser Leben. Internet und Smartphones sowie Social Networks haben unsere Möglichkeiten zur Kommunikation und Wissenserwerb deutlich verbessert. Mit den Millenials (Generation Y) wird die erste global vernetzte digital native–Generation in den nächsten fünf bis sechs Jahren die Mehrheit der Belegschaften in unseren Unternehmen ausmachen. Für die Unternehmen bedeutet dies eine Neuorientierung hinsichtlich neuer Anforderungen der Menschen in zweierlei Hinsichten, der Menschen als Kunden und der Menschen als Mitarbeiter. Dabei ist der Wettbewerb der Unternehmen bezüglich der Menschen als Mitarbeiter mittlerweile mindestens ebenso groß wie der um die Menschen als Kunden. Um in Zukunft erfolgreich zu bestehen, ist es für jedes Unternehmen wichtig, zu verstehen, welches die neuen Anforderungen sind und dass sie sich deutlich von den Anforderungen der Vergangenheit unterscheiden.

 

2. Bestimmung des momentanen Unternehmensstandortes und Umfeldes

Mit Kenntnis der auf uns zukommenden demografischen und technologischen Entwicklungen ist es nun wichtig zu verstehen, welche spezifischen Einflüsse diese auf das eigene individuelle Unternehmen haben werden. Dazu muss man zunächst die gegenwärtige Ausgangsposition und das momentane Umfeld des Unternehmens ermitteln. Es ist dabei wichtig mit geeigneten Analyseverfahren zu ermitteln, WAS (Produkte, Lösungen, Dienstleistungen) das Unternehmen am Markt anbietet, aber auch WIE es dieses entwickelt, produziert, vertreibt und liefert.

 

3. Definition von Unternehmenszielen, -strategien und -gegenstand

Nunmehr ist es notwendig, das Zukunftsszenario aus 1. mit dem Status Quo aus 2. zu vergleichen. Zusätzlich muss man sich darüber klar werden, ob die bisher definierten Unternehmensziele und -strategien und der Unternehmensgegenstand angesichts der neuen Entwicklungen noch Bestand haben können, oder ob eine Neuausrichtung des Unternehmens stattfinden muss.

 

4. Festlegung relevanter Technologien, Strukturen und Prozesse

Erst mit dem Ergebnis aus 3. kann nun eine sinnvolle und fundierte Betrachtung der sich durch die neuen Industrie 4.0 Technologien ergebenden Möglichkeiten stattfinden. Ein großes Problem ist dabei momentan, dass getrieben durch einen gewissen Hype durch Politik, Presse, Messen und diverse Veranstaltungen primär nur die technologischen Möglichkeiten sozusagen als Zweck in sich selber im Vordergrund stehen. Vielfach werden so neue Technologien und Lösungen in Unternehmen erschaffen, ohne dass man sich vorher gefragt hat, wozu das Ganze denn gut sein soll. Hauptsache ist, dass man etwas „Industrie 4.0–kompatibles“ (was immer das auch ist) vorweisen kann.

Ein weiterer Fehler besteht in der Konzentration auf Technik und die angebotenen Produkte. In fast allen Fällen wird mit der Schaffung von neuen innovativen Lösungen auch die Änderung von Unternehmensstrukturen und Prozessen notwendig. Das heißt, es reicht nicht aus, nur über das WAS nachzudenken, die Modifikation des WIE ist ebenso wichtig. Nicht wenige Spezialisten gehen mittlerweile davon aus, dass der Erfolg von Industrie 4.0 nicht von technischen Möglichkeiten abhängen wird, sondern von der damit zwingend verbundenen Änderung von Unternehmensstrukturen und –prozessen, sowie an der Bereitschaft der Menschen, mit der notwendigen Motivation die neuen Wege zu gehen.

Unternehmensspezifische Einflussfaktoren und Umsetzungswege zu Industrie 4.0

Grafik: Unternehmensspezifische Einflussfaktoren und Umsetzungswege zu Industrie 4.0

5. Definition notwendiger Unterstützungen und Kooperationen

Bereits jetzt zeigen viele Beispiele, dass die notwendigen zukünftigen Lösungen im technischen wie sozialen Bereich in vielen Fällen nicht mehr von einzelnen Unternehmen allein geschaffen werden können. Vor allem der Trend – vornehmlich, aber nicht nur bei der jungen Generation – mehr an dem individuell zugeschnittenen Nutzen als am Erwerb eines Produktes interessiert zu sein, erfordert Lösungen und Dienstleistungen, die ein Unternehmen alleine nur in den wenigsten Fällen erbringen kann. Um die neuen Kommunikations- und Vertriebsmöglichkeiten optimal zu nutzen, sind dabei vor allem horizontale Kooperationen nötig, bei denen auch Wettbewerber bereit sein müssen, auf bestimmten Gebieten zumindest temporär zusammen zu arbeiten.

Fazit

Autor: Dipl.-Ing. Hans-Georg Conrady

Damit Industrie 4.0 ein Erfolg wird, ist es dringend notwendig sich stärker mit der unternehmensspezifischen Integration zu befassen. Wichtig dabei ist eine Versachlichung des Themas. Außerdem gilt es, sich zunächst auf die Analyse des individuellen Status Quo zu konzentrieren und vor dem Hintergrund des generellen Wandels die eigenen Ziele zu definieren. Erst danach (Stufe 4) kann man fundiert daran gehen und beurteilen, welche der neuen Industrie 4.0 Technologien und Möglichkeiten für das eigene Unternehmen relevant sein werden. 


Autor: Dipl.-Ing. Hans-Georg Conrady | Conrady Consult GmbH

Termine
05.12.2018
450,00 EUR*