Was ist eigentlich... Business-Etikette?

Dr. Birgit Wedhorn gibt Tipps für stilsicheres Verhalten im Geschäftsalltag.
Dr. Birgit Wedhorn im Interview

Wer sich auf dem gesellschaftlichen Parkett unfallfrei bewegen will, sollte sich in Stilfragen und Umgangsformen stets auf dem Laufenden halten. Denn auch diese sind einem steten Wandel unterworfen. Es lohnt sich also, einen genauen Blick auf die eigenen Verhaltensmuster zu werfen und auf Ihre Zeitmäßigkeit hin zu überprüfen.

 

Seit Jahren erleben Fragen nach dem richtigen Benehmen und gutem Stil daher eine echte Renaissance. Grund genug für uns, eine renommierte Expertin für Business-Etikette, Frau Dr. Birgit Wedhorn, zu aktuellen Umgangsformen zu befragen:

Stilexpertin Dr. Birgit Wedhorn im Gespräch

 

Frau Dr. Wedhorn, habe ich mich zu entschuldigen, wenn ich genießt habe?

Das stimmt, der Niesende hat sich zu entschuldigen. Wenn eine Person geniest hat, sagt man nicht mehr „Gesundheit“ und zwar aus folgenden Gründen: Wir leben in einer Gesellschaft mit einer hohen Zahl an Allergikern, jeder fünfte Bundesbürger ist betroffen. Einem chronisch Kranken „Gesundheit“ zu wünschen, empfinden viele als unpassend oder sogar ironisch. Da es in der Regel nicht bei einem Nieser bleibt, würde das wiederholende „Gesundheit“ wünschen gerade in einer größeren Gesellschaft als störend empfunden. Der Person, die geniest hat, ist es selbst oft sehr unangenehm und durch das Wünschen wird diese Person nochmals darauf aufmerksam gemacht. Historisch gesehen, und das ist etwas in Vergessenheit geraten, haben wir niemals einem Kranken „Gesundheit“ gewünscht, damit er gesund wird, sondern die Gesunden haben sich Gesundheit gewünscht, um gesund zu bleiben.

Eine Entschuldigung ist an dieser Stelle somit angebrachter. Zu bemerken ist jedoch, dass es landläufig auch konträre Einstellungen zu dieser Empfehlung gibt, indem bewusst dem gut gemeinten Wunsch nach besserer Gesundheit der Vorzug gegeben wird, anstelle auf eine Entschuldigung zu warten.

 

Ist der Gruß „Mahlzeit“ zur Mittagspause noch zeitgemäß?

Richtig ist, dass man „Mahlzeit“ als Tagesgruß zwischen 11.00 Uhr und 15.00 Uhr nicht mehr verwendet. „Mahlzeit“ ist – und das ist etwas in Vergessenheit geraten – das Wortfragment des Tischgebetes. Früher war es die Regel, dass man vor der Einnahme der Speisen gebetet hat. Im Laufe der Zeit ist dann das Tischgebet immer kürzer geworden, bis nur noch „gesegnete Mahlzeit“ und zum Schluss „Mahlzeit“ übrig blieb. Dieses Wortfragment des Tischgebetes als Gruß oder als Alternative zum „Guten Appetit“ Zweck zu entfremden, spricht für sich. Unter Freunden, im Kollegenkreis und in ähnlich inoffiziellen Runden gilt es aber heute als sehr freundlich und sehr höflich, sich „Guten Appetit“ in der Mittagspause zu wünschen.

 

Wer darf wem das "Du" anbieten?

Das Recht jemandem das "Du" anzubieten, unterliegt folgenden Regeln und Reihenfolgen: Der in der Hierarchie höher stehende, also der Ranghöhere, bietet als erster dem Rangniederen das "Du" an. Die Frau bietet dem Herrn, der Ältere dem Jüngeren und der Gastgeber dem Gast das "Du" an. Unter Gleichaltrigen sowohl sie als auch er. Die Person, die in einem Unternehmen schon länger arbeitet, dem Neuling. In der Reihenfolge steht als erstes immer die Hierarchie (wenn bekannt), gefolgt von Geschlecht und Alter.

 

Kann ich jemanden einfach duzen, wenn er sich nur mit seinem Vornamen vorstellt? Und wie verhält es sich, wenn mich jemand einfach duzt?

Wer sich nur mit seinem Vornamen vorstellt, gibt automatisch einer anderen Person seine Duz-Erlaubnis. Auch wenn jemand Sie einfach duzt, ohne vorher Ihre Erlaubnis eingeholt zu haben, dürfen Sie die andere Person automatisch zurück duzen – auch, wenn es sich um Ihren Vorgesetzten handeln sollte.

 

Stimmt es, dass zu Tisch Kartoffeln niemals mit dem Messer geschnitten werden?

Nein, heutzutage ist es durchaus erlaubt, Kartoffeln mit dem Messer zu schneiden, weil die Materialien des verwendeten Bestecks keine Gefahr mehr darstellen, unansehnliche Flecken am Messer oder unangenehmen Geschmack durch darauf folgende Oxidation zu verursachen. So steht es noch im alten Knigge, dem Gesetzbuch für gutes Verhalten zu Tisch und weiteren Situationen des Alltags. Trotzdem zerteilt man die kredenzten Kartoffeln heute mit der Gabel und nicht mit dem Messer, sobald feine Saucen mit im Spiel sind: Durch die größere Brüchigkeit, die die Gabel verursacht, kann die Sauce in größeren Mengen mit aufgenommen werden. Aber bitte nicht übertreiben; einen nicht gerade appetitlich aussehenden Brei mit der Gabel zu stampfen, hinterlässt beim Geschäftsessen auch keinen guten Eindruck…

 

Frau Dr. Wedhorn, wir danken für das aufschlussreiche Gespräch.

 


Seminarempfehlungen zum Thema (internationale) Business-Etikette

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