Was ist eigentlich... Talentmanagment?

Im Mittelpunkt des Talentmanagements steht die Frage, wie Unternehmen geeignete Mitarbeiter zur Besetzung wichtiger Positionen gewinnen und langfristig binden können. Für Personaler ist diese Aufgabe natürlich nicht neu, doch sie gewinnt in Zeiten des demografischen Wandels und des Fachkräftemangels massiv an Bedeutung – und hat mit dem Schlagwort "Talentmanagement" ein neues Label bekommen.

Talente finden, entwickeln und binden: In diese drei Arbeitsbereiche lässt sich das Talentmanagement einteilen. Ausgangspunkt ist die Identifizierung talentierter Menschen, die mit ihren Fähigkeiten für das Unternehmen wertvoll sein könnten. Schon aus Kostengründen lohnt es sich, bei dieser Suche innerhalb des Unternehmens zu beginnen bzw. zunächst einmal die dafür notwendigen Prozesse zu etablieren.


High-Potentials identifizieren und finden

Vor allem großen Unternehmen und Organisationen kann dabei ein System weiterhelfen, das Mitarbeiter aller Abteilungen und Niederlassungen nach einheitlichen Kriterien erfasst, die für Schlüsselpositionen zukünftig infrage kommen. Entscheidend ist dabei der langfristige Ansatz: Welche Leistungsträger benötigt das Unternehmen in fünf oder zehn Jahren? Mit einer unsystematischen und kurzfristigen Vorgehensweise lassen Unternehmen noch zu häufig Chancen ungenutzt und sind letztlich verstärkt auf den kostspieligeren Weg der externen Mitarbeitergewinnung angewiesen.

Trotzdem bleibt die externe Suche und Gewinnung potenzieller Leistungsträger ein zentrales Thema für das Talentmanagement, wie für das Personalmanagement im Allgemeinen. Der Trend in diesem Feld ist eindeutig und soll hier nur kurz angerissen werden: Um im viel beschworenen "War for Talents" mithalten zu können, präsentieren sich Unternehmen heute als Arbeitgebermarken, setzen separate Karrierewebsites auf und nutzen Social Media-Kanäle gezielt für die Talentanwerbung. In Kooperationen mit Schulen und Hochschulen versuchen Arbeitgeber, langfristige Kontakte zu den Absolventen von morgen aufzubauen.


Talente zu Führungskräften entwickeln

Unter dem Stichwort Talentmanagement rückt auch die Förderung und Entwicklung von Mitarbeitern stärker in den Fokus der Personalarbeit, als es früher der Fall war. Es geht darum, Talenten mit passgenauen Fördermaßnahmen die besten Möglichkeiten zu geben, ihr Potenzial optimal zu entfalten. Dabei sollte das Maßnahmenportfolio nicht nur Weiterbildungsseminare, sondern zum Beispiel auch Coaching- und Mentoring-Programme beinhalten. Auch zeitlich begrenzte Einsätze in Auslandsniederlassungen oder bei ausländischen Kooperationsunternehmen fördern insbesondere die Entwicklung junger Mitarbeiter nachhaltig.

Der wichtigste Faktor für die Entwicklung von Talenten ist jedoch ihre Positionierung. Das Talentmanagement sollte im Unternehmen darauf Einfluss nehmen können, dass Talente stets Stellen besetzen, die ihren Begabungen gut entsprechen und sie zugleich noch herausfordern. Die Möglichkeit, im Unternehmen aufzusteigen oder mehr Verantwortung zu übernehmen, erhält das Talent im Idealfall so immer zum günstigsten Zeitpunkt für seine persönliche Entwicklung. Im Auge behalten sollte das Talentmanagement außerdem, ob die Kommunikation zwischen dem Talent und seinen Vorgesetzten einwandfrei funktioniert und so für die Entwicklung des Talents zuträglich ist.


Ziel: Langfristige Bindung von Fach- und Führungskräften

Ziel des Talentmanagements ist es, dass aus Talenten Leistungsträger und Führungskräfte werden, die dem Unternehmen langfristig erhalten bleiben. Damit dies gelingt, schaffen Unternehmen materielle und immaterielle Anreize für ihre Arbeitnehmer, die die Bleibemotivation erhöhen sollen. Dabei müssen materielle Anreize nicht immer auf die klassische Gehaltserhöhung hinauslaufen. Für eine hohe Identifikation mit dem Unternehmen kann zum Beispiel eine monetäre Erfolgsbeteiligung der Mitarbeiter sorgen. Insbesondere für die jüngeren Generationen spielen aber auch immaterielle Anreize eine wichtige Rolle. Die jüngste Arbeitnehmergeneration legt Wert auf eine ausgewogene Work-Life-Balance, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf und flexible Arbeitszeitmodelle. Hier gilt es, nach den konkreten Bedürfnissen der Talente zu fragen und individuell auf sie einzugehen.

Auch die bereits erläuterte Frage der Positionierung kommt hier wieder ins Spiel: Die richtige Position zur richtigen Zeit ist nicht nur für die persönliche Entwicklung, sondern eben auch für die Zufriedenheit und damit für die Bleibemotivation maßgeblich.

 


Autor: Martin Wilmsmeier